Wie Sie Ihrem Mentee helfen, Resilienz zu entwickeln 

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Wie Sie Ihrem Mentee helfen, Resilienz zu entwickeln 

Kreidezeichnung auf Schiefertafel: Schild

 

Die moderne Arbeitswelt, der Trend zu Digitalisierung, die Auflösung der Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben – all diese Entwicklungen fordern ihren Tribut. Psychische Erkrankungen, beispielsweise Burn-Out und Depressionen, sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Immer mehr Menschen suchen Hilfe bei Therapeuten, in Achtsamkeitskursen oder eben bei ihrem Mentor. Resilienz, also die Fähigkeit, diesen Entwicklungen gesund zu widerstehen und eine gute Work-Life-Balance zu schaffen, werden immer wichtiger.

Menschen, die ein hohes Maß an Widerstandskraft haben, kommen besser mit plötzlichen Entwicklungen, Rückschlägen und Enttäuschungen klar. Sie sind allgemein belastbarer bei hohem Arbeitsanfall. Eine geringe Resilienz drückt sich unter anderem in Entscheidungsschwäche, Prokrastination, wenig Selbstvertrauen und Gereiztheit aus. 

 

Strategien für mehr Resilienz

Mentoren können in der Arbeit mit ihrem Mentee auf zwei Ziele hinarbeiten: 

  1. Den Mentee in die Lage versetzen, mit der aktuellen Situation souverän umzugehen (Situationsresilienz) 
  2. Die Resilienzschwelle ganz allgemein nach oben schrauben (Basisresilienz) 

Situationsresilienz 

In Bezug auf die Situationsresilienz kommt es darauf an, Stressfaktoren im Alltag zu reduzieren. Mentor und Mentee erstellen eine Liste dieser Faktoren und gehen sie einzeln durch, um zu überlegen, wie der Druck durch konkrete Maßnahmen reduziert werden kann.

In der Regel stellt sich dabei heraus, dass der Mentee an zwei Stellschrauben drehen kann: Zum einen werden Gespräche mit Menschen geführt, die bis dato vermieden wurden. Darin geht es um die Erwartungen und das Verhalten dieser Menschen, sofern es den Mentee unter Druck setzt. Zum anderen wird sich der Mentee darüber klar werden, wann ein „Nein“ die bessere Antwort auf eine Bitte ist.  

Der Mentor kann zudem den Fokus der Aufmerksamkeit auf die Dinge lenken, für die der Mentee dankbar ist, und wo er noch immer Freude findet. Dieses Vorgehen ist bemerkenswert effektiv, wenn es darum geht, die Resilienz im Hier und Jetzt zu stärken. 

Basisresilienz 

Zur Vergrößerung des grundsätzlichen Resilienzlevels gibt es sieben Ansatzpunkte für die Arbeit von Mentoren mit ihren Mentees. Dabei kommt es für den Mentee darauf an, diese Punkte ins eigene Denken umzusetzen. 

  • Optimismus: Anstatt Probleme und Hindernisse zu sehen, ist es wichtig, sich auf die Chancen und Möglichkeiten zu konzentrieren. Wenn sich die Gelegenheit zum Lachen ergibt, sollte diese wahrgenommen werden, beispielsweise durch einen Besuch im Kabarett, oder ähnlichem. Lachen vertreibt den Pessimismus. Zudem ist es ratsam, sich von Pessimisten fernzuhalten und stattdessen mit Optimisten zu umgeben.  
  • Selbstsicherheit: Sich Erfolge zu vergegenwärtigen und sie nicht vorbeiziehen zu lassen, stärkt ein realistisches Selbstbild. Eine bewährte Strategie liegt darin, sich ein kleines, aber bedeutendes Ziel zu setzen, auf dessen Erreichung man stolz ist. Vorsicht ist beim Thema Lob geboten: aktiv nach Anerkennung zu suchen, kann den gegenteiligen Effekt haben. Positiv ist es hingegen, anderen gegenüber zumindest einmal am Tag ausgesucht höflich zu sein. 
  • Fokus: Prioritäten setzen ist in Stressphasen oftmals schwierig. Hier kann Ablenkung hilfreich sein: das Büro für eine Runde um den Block verlassen, zum Beispiel. Eine ruhige Arbeitsumgebung ist ebenfalls sinnvoll. Die meisten Meditationsarten helfen am Ende eines unruhigen Tages, wieder zur Ruhe zu kommen. Selbstverständlich helfen auch Gespräche zwischen Mentor und Mentee, den Fokus nicht zu verlieren. 
  • Offenheit: Neue Ideen faszinieren uns. Ihnen positiv gegenüber zu treten, zahlt ebenfalls auf eine höhere Resilienz ein. Dafür gibt es grundsätzlich zwei Wege: sich gezielt mit peripherem Wissen zu beschäftigen und Gespräche zu suchen, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. 
  • Unterstützung: Wenn man Hilfe braucht, sollte man sich nicht davor scheuen, danach zu fragen. Das ist natürlich eine Frage des (Selbst-)Vertrauens. Am einfachsten ist es, Kapital aufzubauen, indem man anderen hilft. Je hilfsbereiter man selbst ist, umso eher bekommt man auch von anderen Hilfe. Ein Mentor kann dem Mentee dabei helfen, diejenigen im Netzwerk zu identifizieren, die Unterstützung bieten können. Diese Beziehungen gilt es, gezielt zu stärken und auszubauen.
  • Planung: Strukturiertes Denken in der Helikopterperspektive kann dabei helfen, flexible Pläne für alle möglichen Karrieresituationen zu entwickeln. Eine Karriere sollte etwas Geplantes sein, das der Mentee selbst gestaltet. Der Mentor kann dabei helfen, Gelegenheiten zu identifizieren und für Rückschläge einen Plan B in der Hinterhand zu haben. 
  • Proaktivität: Entwicklungen selbst voranzutreiben fühlt sich besser an, als getrieben zu sein. Da nicht jeder Mensch proaktiv veranlagt ist, kommt es für den Mentor darauf an, seinem Mentee zu vermitteln, dass mit Veränderungen zu rechnen ist, diese zu antizipieren und sich über den Umgang damit im Vorfeld Gedanken zu machen. Eine persönliche Chancen-Risiken-Analyse kann hierfür ein Instrument sein. 

 

Der Aufbau von Resilienz ist eine der anspruchsvollsten und langwierigsten Aufgaben, denen sich Mentor und Mentee in ihrer Beziehung widmen können. Umso erfüllender ist es, Resilienz wachsen zu sehen und dem Mentee zuzuschauen, wie er Herausforderungen zunehmend souveräner angeht. 

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