Ein Sog, der mich mitreißt – Wie Mentoring Frauen in Selbständigkeit bringt

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Ein Sog, der mich mitreißt – Wie Mentoring Frauen in Selbständigkeit bringt

Foto: Mitautorin Christa Draaf des Buches Mentoring - Wissenswertes und Persönliches

Im Folgenden lesen Sie aus unserem kostenfreien Buch Mentoring – Wissenswertes und Persönliches den Erfahrungsbericht von Christa Draaf, in dem sie u. a. beschreibt, warum sie gern ehrenamtlich Mentorin ist.


Es gibt Zeiten, in denen eine Mentorin oder ein Mentor Gold wert ist. Der Übergang von einer Karrierestation zur nächsten gehört dazu. Für mich war ein solcher Punkt gekommen nach einem Umzug in ein anderes Bundesland. Ich fragte mich, wie es mit Kindern, weit weg von meiner gesicherten Stelle als Beamtin, nach der Familienzeit für mich beruflich weiter gehen kann. Könnte es eine Alternative sein, als Freiberuflerin zu arbeiten? Eine Überlegung, die nicht ohne Risiko war – vor allem mit drei Kindern.

Mentee beim Übergang in die Selbständigkeit

Vor diesem Hintergrund war ich sehr froh, dass ich durch mein Netzwerk von einem Mentoring-Programm für Frauen erfuhr, das Frauen in die Selbständigkeit oder bei einem Karrieresprung begleitet. Ich bewarb mich als Mentee und hatte das große Glück, bei meiner Gründung für ein Jahr von einer erfahrenen Mentorin begleitet zu werden, mit der ich bis heute Kontakt habe. Für mich war unsere Mentoring-Beziehung eine großartige Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Es war wie ein Sog, der mich mitgerissen hat, und der mir Schwung für die anstehenden Aufgaben gab. Mit meiner Mentorin hatte ich jemanden an meiner Seite, die mir Tipps gegeben und mir den Rücken gestärkt hat, insbesondere bei Fragen zu Marketingstrategien, Marktplatzierung und Preisgestaltung. Mit ihrer Hilfe konnte ich mutig sein und schnell bemerkenswerte Aufträge erzielen.

Vom Mentee zur Mentorin für andere die Selbstständigkeit wagende Frauen

Einige Zeit später wurde ich von der Projektleitung des Mentoring-Programms für Frauen angesprochen, ob ich bereit sei, als Mentorin tätig zu sein. Da habe ich nicht lange gezögert: Die Idee, dem Programm, dem ich selbst so viel zu verdanken hatte, etwas zurückzugeben, war für mich sehr reizvoll. Speziell, weil es mir ein Anliegen ist, die Positionierung von Frauen in der Berufswelt voran zu bringen. Männer engagieren sich traditionell einfach viel stärker in einer größeren Zahl von Netzwerken. Für uns Frauen ist die Auswahl da leider deutlich geringer, weil die Geschichte von Frauennetzwerken noch recht jung ist, besteht viel Nachholbedarf. Doch: Netzwerken ist Pflicht, wenn man beruflich Erfolg haben will.

Bis heute konnte ich durch das Programm drei Mentees begleiten; teilweise sogar zwei Mentees parallel. Allen war gemeinsam, dass sie als Frau den Sprung aus einem Angestelltenverhältnis ins Unternehmertum, in die Selbständigkeit schaffen wollten. Dennoch sind es drei ganz unterschiedliche Frauen. Sie zu begleiten, war für mich hochinteressant, weil ich für die verschiedensten Persönlichkeiten offen bin. Bei der Zusammenstellung der Tandems aus Mentorin und Mentee hat die Projektleitung ein hervorragendes Gespür bewiesen. Mit zwei Mentees bin ich übrigens immer noch freundschaftlich vernetzt.

Das Mentoring-Programm ist immer auf ein Jahr angelegt. Nach ausführlichen Gesprächen mit den Mentorinnen und Mentees stellt die Projektleitung die Tandems zusammen. Bei der Auftaktveranstaltung erhalten die Mentees die Kontaktdaten ihrer Mentorinnen. Im Mentoring-Prozess werden Netzwerkveranstaltungen und berufsrelevante Workshops angeboten, teils gemeinsam, teils für die Mentees und uns Mentorinnen separat. Der Austausch mit den anderen Mentorinnen ist bereichernd und es entsteht schnell eine Kooperationskultur. Die gemeinsame Abschlussveranstaltung bot Gelegenheit, Erfolge zu feiern, die Vernetzung zu stärken und Mentees konnten das eigene Business präsentieren.

Was ich als Mentorin gebe und warum ich Mentorin bin

Ich gehe immer sehr offen auf meine Mentees zu und interessiere mich für ihre Fragestellungen: Was sind die Probleme, Fragen und Hindernisse, die sie im gemeinsamen Jahr klären wollen? Mir ist wichtig, dass meine Mentees Freude an Veränderung haben und mit mir einen gemeinsamen Weg gehen wollen. Es ist ein Muss, Ziele festzulegen, im Prozess immer mal wieder Bilanz zu ziehen und Ergebnisse zu erzielen. Auch wenn die Ziele zu Beginn vielleicht ganz andere waren, ist die Entwicklung, der individuelle Weg entscheidend und gibt Klarheit.

Mentoring sehe ich als eine sehr positive Win-Win-Situation für Mentorin und Mentee. Meine Mentoring-Beziehungen haben mein Portfolio an Fähigkeiten ausgebaut und meinen Blick geweitet. Immer konnte ich mich mit meinen Mentees auch selbst weiterentwickeln. Es macht mir Spaß, mit Mentees an aktuellen Themen dranzubleiben und meinen Beitrag zur Lösung zu leisten. So bleibe ich offen für Fragen und Probleme junger Menschen und kann gleichzeitig eigene Erfahrungen, wie auch eine gewisse Gelassenheit vermitteln. Es erfüllt mich mit großer Freude, Frauen bei der Beantwortung ihrer Karrierefragen begleiten zu dürfen und dann auch die Ergebnisse zu sehen. Als Mentorin erfahre ich eine Wirksamkeit und Wertschätzung, die im Beruf nicht immer selbstverständlich ist. Als Führungskraft wird meine Unterstützung oft anders wahrgenommen als im Mentoring.

Mentees können durch Mentoring eine Menge Sicherheit bei persönlichen und beruflichen Fragen gewinnen. Viele wollen ja wissen: Was möchte ich? Wohin führt mich mein Weg? Da kann ich als Mentorin Handlungssicherheit vermitteln – auch über das tägliche Berufsleben hinaus. Als Mutter von drei Söhnen bin ich beispielsweise sehr sattelfest in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Besonders spannend fand ich die Situation, in einem Seminar meine Mentee als Dozentin zu erleben – eine komplett ungewohnte Perspektive und zugleich die Chance zu sehen, wie sie sich entwickelt hatte.

Ich begleite Menschen einfach gerne in Veränderungsprozessen und gebe ihnen Impulse zur Potenzialentfaltung. Davon profitieren dann beide Seiten. In diesem Sinne bin ich gerne ein „Schubsengel“. Denn: Wer etwas will, findet Wege; wer etwas nicht will, findet Gründe.

 

Portraitfoto: Mentorin Christa Draaf

Über Christa Draaf

Als Diplom-Sozialarbeiterin und Beamtin auf Lebenszeit zunächst in einem Jugendamt für straffällige Jugendliche tätig. Nach diversen Weiterbildungen vom Montessori-Diplom bis zur Lachyoga-Leiterin, war sie 13 Jahre Freiberuflerin, u. a. als Weiterbildungsanbieterin des Bundesprogramms Bildungsprämie. Seit 2005 ist sie Gründungs- und Vorstandsmitglied eines Business-Netzwerks für Frauen. Nach ihrer Kündigung der Beamtenstelle war sie therapeutische Leitung eines Wohnheims für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Heute trägt sie als Leitung der Sozialen Dienste, interne Auditorin und Leitung der Tagesförderstätten der Lebenshilfe Limburg gGmbH Verantwortung für 40 MitarbeiterInnen. 2018 beginnt sie ein berufsbegleitendes Studium als zertifizierte Mediatorin.

 

 

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Darin lesen Sie Wissenswertes, Tipps und Tricks rund um Mentoring.
Enthalten sind u. a. dieser Erfahrungsbericht von Christa Draaf oder jene von Lena Neumann und Peter Diekmann.

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