Leseprobe: Was kann Mentoring leisten?

Foto: Mitautor Stephan Rathgeber des Buches Mentoring - Wissenswertes und Persönliches
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Leseprobe: Was kann Mentoring leisten?

Thema: Unterschied zwischen Coaching und Mentoring; Kreidezeichnung auf Schiefertafel: Sprechblase mit einem Fragezeichen und Sprechblase mit einem Ausrufezeichen

Im Folgenden lesen Sie aus unserem kostenfreien Buch Mentoring – Wissenswertes und Persönliches das Kapitel 3, in dem wir u. a. beschreiben, was Mentoring leisten kann.


Kapitel 3: Was kann Mentoring leisten?

Eigentlich ist es merkwürdig: Wir schreiben das Jahr 2018 und der Wirtschaft geht es gut wie nie; der Arbeitsmarkt nähert sich der Vollbeschäftigung. Arbeitnehmer können sich ihren Job fast schon aussuchen. Und trotzdem boomt Mentoring. Woran liegt das?

Auch wenn die Arbeitsplatzsituation gut wie nie ist, so ist sie zugleich anspruchsvoll wie nie. Die meisten von uns werden ihren Job machen, bis sie fast 70 Jahre alt sind. Zugleich entwickelt sich die Arbeitswelt – Stichwort Digitalisierung – fast schon im Zweijahresrhythmus weiter. Hier nicht abgehängt zu werden, ist essentiell wichtig. Zudem haben nachkommende Generationen nicht mehr unbedingt Karriere und Führungsverantwortung im Blick, sondern persönliches Glück und Weiterentwicklung. Auf viele der dadurch aufgeworfenen Fragen kann ein Mentoring Antworten geben. Außerdem gibt es weitaus mehr Anwendungsfelder für Mentoring als nur den großen Bereich von Beruf und Karriere.

Anwendungsfelder von Mentoring

Nachstehend möchten wir – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – einen Überblick geben, auf welchen Gebieten Mentoring zur Anwendung kommt:

  • Schüler-Mentoring:
    Hierbei geht es oftmals um die Förderung besonders talentierter oder aber lernschwacher Schüler. Mentoring kommt darüber hinaus in Phasen der beruflichen Orientierung (Ausbildung/Studium) oder zur Förderung von Mädchen in den naturwissenschaftlichen Fächern zum Einsatz. Außerdem gibt es immer wieder Programme, die sich um sozial benachteiligte Schüler kümmern.
  • Sport-Mentoring:
    Der Weg in den Leistungssport ist hart, und er beginnt früh. Eltern, Geschwister oder Trainer sind hier oftmals nicht die einzige geeignete Unterstützung. Aktive oder ehemalige Leistungssportler helfen jungen Athleten, Schule, Studium, Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen und optimale Ergebnisse zu erzielen.
  • Mentoring für Studenten:
    Auch wenn das Studium sich heutzutage nicht mehr so gravierend von der Schule unterscheidet wie früher, ist der Übergang doch eine Umstellung. Viele Universitäten und Fachbereiche stellen den Erstsemestern dafür höhere Semester als Mentoren zur Verfügung. Und am Ende des Studiums, wenn es um die Berufswahl und die Etablierung im Job geht, gibt es immer öfter Alumni-Vereine, die den Absolventen helfend zur Seite stehen. Nicht unerwähnt bleiben sollen Programme für Doktoranden, Habilitanden oder Referendare (beispielsweise in juristischen oder pädagogischen Berufen). Wie schon in der Schule gibt es an Universitäten Mentorings für Frauen in den MINT-Studiengängen.
  • Mentoring für Young Professionals:
    Berufseinsteiger haben häufig spezifische Fragen, die ihnen erfahrene Berufstätige und Führungskräfte beantworten können. Mentoren helfen Young Professionals bei Themen wie Work-Life-Balance, Karriereplanung, erste Führungsverantwortung, etc.
  • Mentoring für Frauen:
    In Deutschland ist Mentoring vor allem in der Frauenförderung ein sehr häufig und mit großem Erfolg eingesetztes Instrument. Leider sind Frauen in der Arbeitswelt im Hinblick auf Führungspositionen, Gehälter, etc. nach wie vor nicht gleichberechtigt. Viele Mentoring-Programme haben das Ziel, Frauen in Führung zu bringen und damit für ein wenig mehr Gleichheit zu sorgen.
  • Mentoring für Minderheiten:
    Im melting pot Amerika spielt diese Art von Mentoring eine größere Rolle als in Deutschland mit seiner doch immer noch homogenen Bevölkerungsstruktur. Schwarze, Latinos, Asiaten: Allesamt können auf vielfältige Mentoring-Angebote zurückgreifen, die ein Stück weit ihren Status als Minderheit kompensieren sollen. In Deutschland haben in letzter Zeit Programme zur Integration von Flüchtlingen mithilfe von Mentoren an Bedeutung gewonnen. Diese noch relativ junge Teildisziplin des Mentorings ist ähnlich erfolgreich wie alle anderen.
  • Karriere-Mentoring:
    Im Laufe einer Karriere gibt es immer wieder Situationen, die Unterstützung durch einen organisationsinternen oder -fremden Mentor (Cross-Mentoring) als Mittel der Wahl erscheinen lassen. Eine Führungsaufgabe, die Versetzung in ein anderes Land oder eine neue Branche können dazu gehören. Für ein Karriere-Mentoring kommen manchmal auch Menschen mit ähnlichem Hintergrund (Peer-Mentoring) in Frage. Zunehmend an Bedeutung gewinnt das Reverse Mentoring, bei dem ältere Mentees von jüngeren Mentoren lernen. Die Generation 50 plus im Berufsleben möglichst fit zu halten, hilft bei der Bewältigung des demographischen Wandels.
  • Start-up-Mentoring:
    Ein Unternehmen zu gründen ist in jeder Lebensphase ein überaus bedeutsamer Schritt. Weder Schule, noch Studium oder eine vorherige Berufstätigkeit bereiten einen darauf vor. Umso wichtiger sind die Mentoring-Programme in Start-up-Acceleratoren, aber auch Angebote für Gründer, die sich nicht mehr der Generation der Start-ups zugehörig fühlen. Hier geben erfahrene und erfolgreiche Unternehmer ihre Erfahrungen – im Guten wie im Schlechten – weiter und helfen bei der Etablierung neuer Ideen und Firmen.

Die vorangehende Auflistung beinhaltet schon einige der Problemstellungen, bei denen Menschen sich einen Mentor suchen, um sie bestmöglich zu lösen. Wir möchten trotzdem einige der ungewöhnlicheren Anliegen schildern, denen wir im Laufe unserer Tätigkeit als Mentoren und Geschäftsführer der Karrieremacher begegnet sind. Denn erst dadurch wird deutlich, welches Potential in Mentoring für jeden Einzelnen steckt.

Da gab es den Angestellten, der die Idee für ein neues Gesellschaftsspiel entwickelt hatte und jemanden suchte, der ihm bei der Vermarktung helfen konnte. Da war die Studentin, die sich dafür interessierte, nach ihrem Abschluss im Ausland zu arbeiten und die Regeln des dortigen Arbeitsmarktes kennen lernen wollte. Da war die Freiberuflerin, die mit einem Mentor an ihrer Positionierung feilen wollte. Da war die Fotokünstlerin, die es nach vielen erfolgreichen Ausstellungen endlich mit ihren Werken in die fotografische Sammlung eines Museums schaffen wollte.

Diese Liste mit zugegebenermaßen anekdotischem Charakter ließe sich endlos fortsetzen. Widmen wir uns im nächsten Kapitel aber vielleicht der Frage, warum sich so viele Menschen ehrenamtlich als Mentorin oder Mentor engagieren und warum so viele Menschen sich einen Mentor suchen.


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Darin lesen Sie Wissenswertes, Tipps und Tricks rund um Mentoring.
Enthalten sind auch Mentoren-Erfahrungsberichte von A. Bieler-Bultmann oder jene von Lena Neumann und Peter Diekmann.

 

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